Ich konnte nicht schlafen. Ich glaube jemand auf der Straße hat geschrien. Vielleicht lag es auch an der Autobahn vor dem Fenster. Oder daran dass es so still ist. Du schläfst schon oder? Ja, das dachte ich mir bereits. Ich mag dich. Weißt du, seit Jahren liegen wir jede Nacht hier in diesem Bett und immer schläfst du. Ich habe dich sooft angesehen. Jetzt kann ich es nicht mehr. Du bist einfach da. Manchmal schnarchst du. Meistens. Und ich sitze hier neben dir und dachte an dich. Jetzt nicht mehr. Und dann erzähle ich dir, dass ich nicht weiß, ob ich dich liebe, ob ich nicht weiß ob ich glücklich bin. Und du schläfst. Und am Morgen wachst du auf und fragst mich ob ich gut schlafe. Wenn man nicht weiß ob man glücklich ist weiß man auch nicht ob man gut schläft.
vemutlich wäre nun der richtige zeitpunkt gekommen so vieles anzugehen, was in den wochen liegengeblieben ist. stattdessen ist da dieses lied, dieses bett und diese gewissheit. liegenbleiben. draußen schneit's und drinnen fallen zeitgleich staubflocken, nicht ganz so weihnachtlich. und du liegst. mehr nicht.
und das leben zieht am fenster vorbei und für einen augenblick...
zwischen all den menschen geht man ziemlich verloren, wenn man nicht auf sich aufpasst. 7 tage zu vieler wochen bist du teil einer masse gewesen, die dich mitgerissen hat, ohne rast und ohne genaues ziel. nun bist du angekommen und schweigst, alleine.
und das leben zieht am fenster vorbei und für einen augenblick...
eigentlich habe ich das alles anders gedacht, geträumt von der wilden zeit. zurzeit gibt es allerdings statt durchzechter nächte abende mit aufsätzen, bücher in unverständlichen sprachen, bücher mit unverständlichem inhalt und selbstgeschriebene aufsätze, die nicht dass sind, was ich eigentlich hoffte eines tages zu schreiben.
und das leben zieht am fenster vorbei und für einen augenblick...
du fragst dich manchmal warum alle menschen vom glück reden und dir fehlt die zeit dazu. und das interesse. nie fragst du dich warum du es aufgegeben hast daran zu denken. tage voller vergessen reihen sich aneinander und fragen welchen sinn sie haben. aber du hast auch darauf die antwort vergessen.
und das leben zieht am fenster vorbei und für einen augenblick...
auf der anderen seite der scheibe sitz ein eichhörnchen im baum. es wäre ein guter augenblick die heizung anzustellen. du lässt es. wenn der winter kommt ist man mehr allein. die tage werden so kurz, dass dein verhältnis zur zeit kaum noch existiert, weiter geht es, auf dunkelheit folgt dunkelheit. mehr nicht.
und das leben zieht am fenster vorbei und für einen augenblick...
warum, frage ich mich selber, fehlt dir momentan sogar die zeit, deine sätze zu ende zu bringen? ich habe es vergessen, antworte ich. macht dir das alles angst, frage ich. manchmal, antworte ich. warum änderst du es dann nicht, frage ich.
und das leben zieht am fenster vorbei und für einen augenblick...
ich folge dem mechanischen fortbewegen der tram, hinein in das leben, zurück aus dem vorort. grelles licht blendet mich, spielt zauberfunken vor meinen augenliedern, verblendet. ich strecke die beine von mir, in meinem kopf ein und dasselbe lied, ohne ruhe, ohne ende, ohne ziel. menschen steigen ein und aus, zwischenzeitliches anfahren, bremsen, klingeln, anfahren, halten. ich dazwischen, irgendwo verloren. und immernoch dasselbe lied, unerbittlich, unermüdlich anwesend. ich bin glücklich. neue menschen. müde gesichter, angeregte gespräche, stille kopfhörer. umgeben von leben und lärm- lautstarkes nichts. was bliebe zwischen den zeilen geht unter, bevor es gesprochen wird. in all dem trubel, eine vertraute melodie, schattenhaft, wohin ich auch gehe. und du. was ich auch tue. egal was wird, oder war, oder grade eben ist. eine kleine geschichte im nirgendwo ertrunken.
ich steige aus, bleibe stehen. leute schieben und drängen an mir vorbei. ich fließe dahin, müde. schattenhaft. falle, tiefer und tiefer, bis vor die eigene haustür, bis in das eigene heim. bliebe nur die erinnerung und eine letzte verstummende melodie...
Das geöffnete Fenster bringt frischen Wind in den längst verstaubten Raum. Und du? Du sitzt immer noch über deinem Schreibtisch und verzweifelst, schläfst, denkst, zu viel von allem und doch nie genug. Alles ist nötig und nichts möglich, später irgendwann, wenn der Verstand Ruhe gibt und der Geist weiter wil, dann vielleicht. Und der Wind streicht durch dein Haar, in diesem Augenblick und erinnert dich kurz. Woran? Keine Zeit für andere Gedanken, keinen Platz in dem dichtgedrägten Terminkalender. Nur ein kurzer Gedanke, dazwischengedrängt zwischen alle Termine.Warum nicht einen Moment dem Verstand Urlaub gönnen und den Regeln der Schwerkraft, der Wahrscheinlichkeit und der Vernunft den Rücken kehren.
Weißt du, ich mach grad Ferien auf deinem Regal, da oben, nur ganz kurz, dann bin ich wieder verschwunden, einen kurzen Augenblick, wie ein Windhauch, fast vergessen bevor er bemerkt wurde. Nur noch wenige Augenblicke und ich sitze wieder an meinem Schreibtisch über Büchern und Gedanken versunken, nur jetzt habe ich dir zugesehen, ganz geheimnisvoll, und gelächelt und mit den Beinen gebaumelt...
Ich ging das Wetter suchen. Das lag nicht daran, dass es nicht da war, sondern vielmehr, dass ich es ignoriert oder um es noch präziser auszudrücken, übersehen hatte. Also lief ich nun und suchte das Wetter. Aber ich fand es nicht, was daran lag, dass ich es einfach übersah. Es war nicht im Kleiderschrank, nicht im Bücherregal, nicht unter meiner Bettdecke und auch nicht im Blumentopf. Ich fand es nicht. Also suchte ich gründlicher. Unter den T-Shirts, auf dem Balkon, in meiner Schultasche, ich sah es einfach nicht. Das passiert wenn man blind durch die Welt rennt. Ich wollte doch eigentlich mich nur erkundigen wie es ihm ginge, dem Wetter. Aber da ich es übersah, ging das nicht. Also fragte ich, nicht das Wetter, ich fand es ja nicht. „Gut.“ So lautete die Antwort. Da war ich froh. Sehr froh irgendwie. Und genauso begann alles. Im Prinzip aber alles ganz anders. Aber dennoch, irgendwie lag es am Wetter. Plötzlich wollte ich das Wetter nicht mehr finden, ich wusste ja ihm ging es gut. Plötzlich wollte ich mich finden, oder besser gesagt das Gefühl. Obwohl ich es nicht suchen musste, sondern vielmehr den Namen, der war mir entfallen. Aber ich fand ihn nicht. Dabei übersah ich ihn nur, vielleicht weil ich es wollte, wie beim Wetter. Also saß ich dort und versuchte zu übersehen. Man muss nämlich wissen, dass wenn man etwas übersieht und dies aus vollster Absicht, was ich nicht wusste, dann ist es sehr schwer es nicht doch plötzlich zu sehen. Und so saß ich und sah andere Dinge. Dinge die ich noch weniger sehen wollte. Also schloss ich die Augen, denn ohne Augen sieht man nicht. Doch wer sehen will sollte die Augen schließen. Ich öffnete sie lieber schnell. Ich hatte das Wort fast gefunden. Es hatte nach Erdbeeren und Rosen gerochen und nach Himbeerbrause geschmeckt. Waldmeister war mir lieber. Aber plötzlich hatte ich Durst. Auf Himbeere. Ich ermahnte mich. Nicht jetzt. Und ich sah. Braun und schwarz und gold und drehte mich um. Doch es ging nicht weg. Ich fürchtete mich. Mit jeder Minute mehr. Es war fremd. Ich sehnte mich, nach Brause, nach Erdbeeren und Rosen, aber ich fürchtete mich. Also blieb ich sitzen. Ich begann wieder nach dem Wetter zu suchen, nur um was anderes zu tun. Aber wiederum fand ich es nicht. Nicht in der Stiftdose, nicht hinter dem Computer, nicht unter den Zetteln. Ich fand es nicht und gab auf. Das Wetter ist ein guter Versteckspieler.
Die Vögel sangen. Ich beobachtete meine Schreibtischlampe die sich in meiner Balkontür spiegelte und sich deutlich von dem dunklen Hintergrund des Abends hervortat. Es war ein ruhiger Abend. Vor nicht allzu langer Zeit hatte es noch geregnet. Dennoch war ich trocken nach Hause gekommen. Glück konnte man das nennen. Oder man konnte es sein lassen und glücklich sein. Das war ich. Der Himmel färbte sich zunehmend dunkler.
„Hast du das Wetter gefunden?“ Wie denn? Ich konnte es nicht mehr sehen. Es war so dunkel. Und plötzlich war es hell. Und alles glänzte. „Ich sehe nicht.“ Und log. Aber nur ein bisschen. Und nur weil ich die Wahrheit übersah. Wie das Wetter. Aber es war wirklich dunkel. Und so saß ich und wartete. Und versteckte mich. Vor diesem Funkeln. Und dem Glanz. „Du.“ Ich schwieg. Besser so. Es war so hell. Mitten in der Nacht. Ich hatte wieder Angst. Das zweite Mal. Irgendwie machte mir das Angst. Es war ja auch schon dunkel. Und ich war klein. Zu klein. Und ich mochte keine Himbeerbrause. Oder vielleicht doch? Ein Stern fiel herunter. Ich staunte. „Du?“ Ich ließ mich verzaubern. „Vielleicht finden wir das Wetter ja gemeinsam.“ Und ich versank. In Sternenstaub und Erdbeerduft und Brausegeschmack. Ich nickte stumm. Und fing an zu sehen. Gemeinsam. Das gefällt mir.